Maifest / Hohe Maien

 

Im Wonnemonat Mai entledigt sich der Sonnengott seines Bärenfells - er hat seine Initiation als wilder junger Bärenkrieger im finsteren Wald hinter sich und steht nun da, in strahlend jugendlicher Gestalt , als Sonnenkrieger… Solche vorchristlichen Überlieferungen sind uns bis heute durch diverse Volksmärchen erhalten geblieben…

Das Maifest wurde am zweiten Vollmond nach Ende der Ostern gefeiert. Die Kirche setzte das Pfingstfest, Fronleichnam, Christi Himmelfahrt und die Walpurgisnacht (Nacht zum 1.5.) an seine Stelle.

Während in der Osterzeit die Paarung des Sonnengottes mit der Frühlingserdgöttin gefeiert wird, wird beim Maifest die Hochzeit des Sonnen, oder auch Himmelsgottes mit der nunmehr von neuem mit Grünem und Blüten geschmückten Erdgöttin gefeiert. Nun ist die Hochzeit des Frühlings.

Auch unsere Vorfahren erwählten zu dieser Zeit ihre Liebespartner.

Es war Brauch, am Vorabend des Maifestes in die heiligen Wall-Burgen zu pilgern, um dort zu feiern. Dies nannte man Wallfahrt. Auf den Kultplätzen und Hainen, oft Bergen, wurde das Kultfeuer entzündet. Zu Zeiten der Christianisierung wurden auf solchen heiligen Kultbergen und Hügeln Kirchen oder Kapellen errichtet.

Im Zentrum des Festplatzes wurde feierlich eine immergrüne Tanne oder eine Birke gemeinsam aufgestellt, die am oberen Drittel mit meist drei Kränzen geschmückt wurde. Der Maibaum als Symbole des Weltenbaumes und der Fruchtbarkeit stand für die untrennbare geschlechtliche Verschmelzung zwischen Himmel und Erde.

Zwischen den Burschen fanden die Maispiele (Wettkämpfe, Wettläufe, Wettspiele) statt, an denen der Sieger als Maikönig gekürt wurde. Er hatte die Möglichkeit, sich eine Maikönigin zu wählen.

Alle Paare sprangen über das grosse Kultfeuer, um die Beziehung durch das Feuer zu bestärken, umtanzten den Maibaum, tranken gemeinsam und badeten zusammen im Maien Tau oder im See.

Zum Maifest gab es Umzüge mit Ochsen, Kühen oder anderen Tieren. Man ging oft zu Brunnen und Quellen, die gereinigt und festlich geschmückt wurden.

 

Noch heute finden wir in manchen Kantonen der Schweiz letzte Anzeichen auf das Maifest durch die Tradition des Maibaumaufstellens ("Tannlistellen") Vielerorts lassen die "Maibuben" in dieser Nacht traditionellerweise von der Sitzbank bis zum Gartentor alles mitgehen, was in den Gärten eines Dorfes nicht niet- und nagelfest ist, und stapeln es auf einem zentralen Platz; die Eigentümer der Gegenstände haben sie dort selbst wieder herauszusuchen.

Der ursprüngliche Vorabend des Festes, die Walpurgisnacht, gilt als eines der "Hexenfeste"* (*siehe unten). Solche "Hexen-Sabbate"  waren der Kirche unheimlich. Man glaubte, dass die Hexen und Ketzer einen Pakt mit dem Teufel hätten. Die Feste wurden deshalb strengstens verboten.

 

* Aus der alamannischen Sprache können wir das Wort Hexe von Hagezuse (Die auf der Hecke sitzende) ableiten, die Zaunreiterin. Sie nahm metaphorisch Kontakt zwischen der diesseitigen und den „anderen Welten“ auf, um Wissen und Weisheiten der Naturwesen und Geister an ihr Stamm oder Volk zu übermitteln. Es entstand später das Bild der Hexe auf dem Besen, die durch die Lüfte fliegt.

 

 

 


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